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Was es mit dem Pilgern auf sich hat?

Dieser Frage geht in einem kleinen Grundsatzartikel der Begründer der Hessisch ökumenischen Pilgerwege und des Elisabethpfades Paul Martin Clotz nach.


Wie der Elisabethpfad zum Pilgerweg werden kann:

  • Sich Zeit nehmen, die Langsamkeit neu entdecken
  • Die Naturschönheiten am Weg entdecken
  • Den Pfad meditativ gehen, z.B. im Rhythmus des Gehens und des Atems einen Bibelvers immer wieder laut oder leise sprechen
  • Den eigenen Lebensweg bedenken und seine Ziele überprüfen
  • Mit den Füßen und in Kirchen unterwegs beten

Christliche Pilgerwege sind geistliche Wanderungen, die an der breiten biblischen Tradition anknüpfen, dass Gott ein Gott des Weges ist.

Er ruft immer wieder heraus aus den „Höhlen“ und „Nestern“ und lädt ein zum Aufbrechen in das gelobte Land bei ihm. Er verspricht: „Ich will dich dabei segnen. Und du sollst unterwegs ein Segen sein.“
Entsprechend sind deswegen die Elemente des Pilgerns:

Am Anfang steht die Sehnsucht nach Heil und Heilung, nach Reife und Wachstum, nach Klärung und Antwort, nach erfülltem Leben, nach persönlicher Gotteserfahrung. Jeder Pilgerweg braucht deswegen auch ein Ziel, einen Ort an dem dies besonders deutlich erinnert oder gefeiert werden kann.

Dann folgt die schwierige Aufgabe des Aufbrechens. Sie verlangt Loslassen und Herausgehen aus gewohnten Lebenszusammenhängen und Lebensstilen.

Dann beginnt der Weg, der sich in vielerlei Weise erschließt mit seinen Höhen und Tiefen, seinem Hin und Her, seinen Irrungen und Wirrungen, seinen Mühen und Überraschungen. Er kann immer wieder zum Gleichnis für den eigenen Lebensweg werden. Ist auch der ein Weg mit Gott, ein Heilsweg?

Schließlich wird das Ziel erreicht. In der Ankunft wird die Bewahrung auf dem Weg und die erlebte Kraft gefeiert, mit Gottes Hilfe alle Mühe überstanden zu haben. Das Ziel steht auch immer wie ein Angeld, wie ein Vorgeschmack auf das endgültige Ziel des eigenen Lebens in Gott.

Auf der Rückreise muss alles Erlebte überprüft und gesichert werden, dass es dann im Alltag weiter fruchtbar ist.

Pilgerwanderungen heute sind so etwas wie spielerische Versuche, sich in der Nachfolge Jesu einzuüben. Sie greifen auf gewisse Weise auf, wie er seine Jüngerinnen und Jünger losschickte (Markusevangelium 6,7-13), zu Fuß, ohne zweites Paar Schuh, mit nur einem Hemd, ohne Geld. „Bringt den Frieden zu den Leuten,“ sagte er, „zeigt die Nähe Gottes!“ Und so wurden die bösen Geister der Zeit vertrieben, und es geschahen viele Heilungen.

Das heißt vielleicht, einfaches Leben neu zu entdecken (weniger ist mehr!), sich mit der Stillung der Grundbedürfnisse zufrieden zu geben, Langsamkeit einzuüben, Ganzheitlichkeit und Geschöpflichkeit am eigenen Leib neu zu entdecken nach dem Motto:

Mehrere Tage zu Fuß unterwegs sein und als Pilgerin, als Pilger nah an der Erde den Kontakt zu den Wurzeln menschlichen Lebens suchen. Sich dabei im einfachen Leben neu auf Gott besinnen und so dem Himmel näher kommen.

Unterstützt werden kann dies durch geistliche Übungen, mit denen der Weg und die Zeiten gegliedert werden: Den Tag im Namen Gottes beginnen und beenden, Bibelverse und -texte beim Gehen meditieren, singen, beten, Schweigezeiten einhalten. Texte dafür finden sich in unserem Pilgerbüchlein. Die Kirchen am Wegrand bieten oft einen guten Raum für stille Zeiten, aber auch im Freien gibt es gute Plätze zum Beten bei schönen Bäumen oder unter weitem Himmel.

Paul Martin Clotz